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Waldfunktionen

Die Nutzung bzw. Benutzung der Wälder soll die nachhaltige Erfüllung aller Waldleistungen und Waldwirkungen dauernd und uneingeschränkt sicherstellen bzw. nicht beeinträchtigen. Der Wald soll seine Funktionen weiterhin erfüllen können. Die Waldregion fördert entsprechend eine nachhaltige Waldbewirtschaftung mit lenkenden Massnahmen und Projekten.

  • Nutzfunktion:   Die Waldregion fördert die nachhaltige Holzproduktion.
  • Schutzfunktion:   Die Waldregion fördert die Stabilität von Waldbeständen, damit uns diese weiterhin vor Naturgefahren schützen.
  • Lebensraum:   Die Waldregion fördert artenreiche Lebensräume im Wald und am Waldrand zur Erhaltung der Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten.
  • Erholungsfunktion:   Die Waldregion koordiniert die verschiedensten Interessen und Bedürfnisse an den Wald, um ein verträgliches Nebeneinander zu gewährleisten.

Waldbauliche Leitlinien

PDF-Datei Waldbaustrategie WR1 (110 kB, PDF)   13.10.2015

Nutzfunktion

Holz ist der einzige nachhaltig erneuerbare Rohstoff der Schweiz. Die Waldwirtschaft kann die Region mit einem aus der Region erzeugten Rohstoff versorgen. Die Nutzfunktion wird weiterhin eine sehr bedeutende Leistung des Waldes und eines der wichtigsten Standbeine für den Waldeigentümer sein.

 

Im Jahr 2016 wurden in der Waldregion durchschnittlich 7.2 m³ pro Hektare genutzt. Dies ist im kantonalen Vergleich (5.7 m³/ha) ein hoher Wert. Das nachhaltige Nutzungspotenzial liegt aber immer noch 37 Prozent darüber, wobei je nach Eigentumskategorie erhebliche Unterschiede bestehen .

 

 

Soweit wie möglich wird mit Naturverjüngungen gearbeitet. Eine Abweichung vom Grundsatz der Naturverjüngung ist zum Teil erforderlich, z.B. bei verdämmender Konkurrenzvegetation (übermässig viele Brombeeren usw.), bei naturferner Baumartenzusammensetzung des Altbestandes und bei übermässigem Wildverbiss.

 

Mit dem Programm Waldwirtschaft leisten Bund und Kantone Beiträge in den Bereichen Jungwaldpflegemassnahmen, führungsrelevante Planungsgrundlagen, Initiierung von optimalen Bewirtschaftungseinheiten und überbetriebliche Holzlogistik. Der Wald wird nach den Grundsätzen des naturnahen Waldbaus gepflegt und bewirtschaftet, um gesunde, standortgerechte und funktionstüchtige Lebensgemeinschaften zu erhalten und zu fördern sowie die Produktion von Qualitätsholz sicherzustellen.

Schutzfunktion

Rund ein Viertel der Waldfläche der Waldregion ist Schutzwald, d.h. er schützt Menschen, Gebäude, Liegenschaften, Verkehrswege oder andere Infrastrukturen vor Steinschlag, Hangmuren, Rutschungen oder Lawinen. Durch die Verzögerung des Hochwasserabflusses der Gewässer wird auch die Geschiebemobilisierung reduziert. Dadurch fällt weniger Schwemmholz an und die Gefahr von Verklausungen (z.B. bei Brücken) wird deutlich vermindert.

 

Die Schutzwirkungen des Waldes lassen sich im multifunktionalen Wald mit den anderen Waldfunktionen kombinieren. Sind durch die Naturgefahren aber Menschen oder erhebliche Sachwerte betroffen – ist also ein grosses Schadenpotenzial gegeben –, haben die Schutzwälder eine Vorrangfunktion auszuüben, die es zu erhalten und zu fördern gilt. Intakte Schutzwälder üben ihre Funktionen nachhaltig und günstig aus und sind volkswirtschaftlich bedeutend sinnvoller als künstliche Schutzbauten.

 

Im Schutzwald werden Pflegemassnahmen für den Erhalt und die Verbesserung der Schutzfunktionen des Waldes unterstützt. Die Mittel dienen auch der Verhütung und Behebung von Waldschäden durch Insekten, Pilze und Schalenwild sowie der Sicherstellung der notwendigen Infrastruktur (Erschliessungen, Werkhöfe).

 

Der Wald mit Schutzfunktion vor Naturgefahren wird zugunsten der Siedlungsräume und Verkehrswege sowie anderer erheblicher Sachwerte nach den NaiS-Prinzipien gepflegt und bewirtschaftet (NaiS = Nachhaltigkeit im Schutzwald). Ziel ist die Sicherstellung eines nachhaltig wirksamen Schutzwaldes mit minimalem Aufwand.

  

Steinschlagverbauung

Sind trotzdem Schutzbauten nötig, werden diese über ein eigenes Finanzierungsprogramm unterstützt. 

Prioritäres Ziel im Programm Schutzbauten und Gefahrengrundlagen ist der direkte oder präventive Schutz von Menschenleben und erheblichen Sachwerten vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag, Felssturz, Rutschungen, Murgängen, Wildwasser usw.

 

Wegen der Komplexität der Projekte werden Beiträge aufgrund von Einzelprojekten geleistet. Diese haben immer eine Risikoabschätzung (inkl. Todesfallrisiko) und eine Beurteilung der Verhältnismässigkeit zugrunde zu liegen.

 

Lebensraum und Biodiversität

Der Wald ist noch heute ein naturnaher Lebensraum, in dem weniger Arten gefährdet sind als in anderen Ökosystemen. Im Wald lebt rund die Hälfte der einheimischen Tierarten. Das Waldgebiet weist eine grosse Vielfalt an Tieren und Pflanzen auf. Es sind viele wertvolle Lebensräume wie urwaldähnliche Wälder, abgelegene Tobelwaldungen, Felsen- und Pionierstandorte, seltene und artenreiche Waldgesellschaften oder eng mit Feucht- und Trockenstandorten verzahnte Wälder vorhanden.

 

Seltene Baum- und Straucharten werden besonders gefördert. Zur Aufwertung der Lebensräume für Tiere und Pflanzen werden verschiedene Verjüngungsverfahren eingesetzt (z.B. offene Schlagflächen für Schmetterlinge, Wildbienen) oder Tot- und Altholz (z.B. für Spechte) stehen gelassen.

Auenwald

Das Waldreservat «Thurauen», Gemeinden Wil und Uzwil, wurde Ende 2004 vertraglich geregelt. Es ist das erste in der Waldregion 1 realisierte Waldreservat. Es liegt vollständig im Auenobjekt von nationaler Bedeutung Nr. 18 Wil-Weieren und umfasst insgesamt 19.3 Hektaren Wald. Es ist Bestandteil des Waldreservatskonzepts St.Gallen und ergänzt das wasserbauliche Projekt «Renaturierung Thurauen» optimal. Die Ortsgemeinde Wil (16.8 Hektaren) und die Dorfbürgerkorporation Niederstetten (2.5 Hektaren) sind die beiden beteiligten Grundeigentümerinnen. Die Dauer des Reservatsvertrags beträgt 50 Jahre (2005-2054). Es wurden 10.4 Hektaren Naturwaldreservat und 8.9 Hektaren Sonderwaldreservat ausgeschieden.

Erholung

Biker im Wald

Die Waldregion hat eine hohe Bevölkerungsdichte. Entsprechend wichtig sind Wald und Landschaft für die individuellen wie für die organisierten Freizeit-, Sport- und Erholungsaktivitäten. Die Waldbesucher finden ein natürliches, reichhaltiges und interessantes Naherholungsgebiet vor.

 

Von den vielen Besuchern, die sich im Wald aufhalten, sind ein grosser Teil Wanderer, in zunehmenden Mass auch Freizeitsportler wie Reiter, Jogger, Mountainbiker, Schneeschuhläufer sowie professionelle Anbieter von Outdoor-Aktivitäten. Die Besucher halten sich nicht nur auf den Strassen und Wegen auf, vermehrt wird auch der Waldbestand begangen. Die Lenkung der Waldbesucher mit einem gezielten Infrastrukturangebot gewinnt daher laufend an Bedeutung, um ein konfliktfreies Nebeneinander verschiedener Waldbesucher zu ermöglichen, die Störung von Wildtieren gering zu halten und die biologische Vielfalt nicht zu beeinträchtigen. Dazu sind gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz nötig.

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